Archiv für August, 2007

Delphine sind keine Fische

Donnerstag, 23. August 2007

Eines unserer beliebtesten Sandwiches ist das Tunasub, von Profigästen einfach nur “Nummer 2″ genannt. Auf dieses Sandwich kommt eine Thunfischcreme, welche täglich frisch bei uns im Restaurant hergestellt wird. Eine der Hauptzutaten für diese Creme ist logischerweise Thunfisch.

Nun flatterte eine Email unserer Einkaufsgenossenschaft herein, in welcher wir gewarnt wurden, dass der Thunfisch bei den kommenden paar Lieferungen in einer anderen Dose als gewohnt stecken könnte. Hintergrund ist ein anstehender Lieferengpass bei unserem Hauptlieferanten, und zur Sicherheit wurde vorsorglich schonmal ein anderer Lieferant gesucht, welcher unsere Anforderungen erfüllen kann. Bis der erste Lieferant wieder problemlos liefern kann, wird der zweite Lieferant einspringen. Bis hierhin soweit sicherlich nichts ungewöhnliches.

Sehr wohl ungewöhnlich ist es jedoch, wie schwierig es gewesen ist, einen passenden Ersatzlieferanten zu finden. Thunfisch wird zwar von vielen Firmen geliefert, aber bei SUBWAY wird das dann doch schon ein wenig schwieriger. Wir sind einer der grössten Abnehmer von Thunfisch auf der ganzen Welt, und aufgrund der schieren Menge geht das mit einer gewissen Verantwortung einher. So kauft SUBWAY nur Thunfisch ein, wenn der Verkäufer garantieren und vor allem auch nachweisen kann, dass beim Fang des Thunfischs keine Delphine zu Schaden kommen. Diese beiden Eigenschaften, also die schiere Einkaufsmenge und die Bedingung, dass dafür zu sorgen ist, dass kein einziger Delphin zu Schaden kommt, können von den meisten Lieferanten in dieser Kombination leider nicht erfüllt werden.

Diese Tatsache tut jedoch dem Umstand keinen Abbruch, dass bei uns der Thunfisch intern trotzdem “Flipper” genannt wird. Geht doch nichts über schwarzen Humor…

Beim lesen der Email musste ich dann auch gleich unweigerlich an ein Stück von Jürgen von der Lippe denken:

(Szenario Restaurant, Jürgen von der Lippe isst grade genüsslich Thunfisch, als er von einem anderen Gast angesprochen wird)

“Wie könn’ sie nur Thunfisch essen?”

“Is lecker.”

“Aber denken Sie denn gar nicht an die Delphine, die in den Netzen mitverrecken?”

“Ess ich mit. Sin’ auch lecker.”

“Aber die sind doch so süüüüß…”

“Wieso is n Delphin süßer als n Thunfisch? Nur weils keinen Film über nen Thunfisch gibt…”

“Ja aber die sind doch auch so intelligent…”

“Wenn die so intelligent sind, was machen die dann in den Netzen?”

Isch ´abe Rücken!

Dienstag, 21. August 2007

Es passierte nach dem Mittagsgeschäft: Meine Schichtführerin wollte einen Müllbeutel entleeren, bückte sich - und kam nicht mehr hoch. Mit schmerzverzerrten Augen starrte sie uns an und erklärte uns, dass sie wohl soeben ein Hexenschuss ereilt hat.

Was macht also der kompetente Chef von heute? Richtig, er schmeisst erstmal Google an und schaut nach, was man bei einem Hexenschuss denn als Erstmassnahme durchführen könnte. Leider war Google diesmal nicht so wirklich mein Freund, und zu einem Besuch bei einem Arzt war meine Schichtführerin nicht zu überreden. Stattdessen legte sie sich lieber auf den Küchenboden und winkelte abwechselnd diverse Beine an. Meine andere Schichtführerin (von der Spätschicht) legte sich daneben und erklärte ihr, wie sie ihren Rücken durchdrücken müsse, um den Schmerz zu lindern. Auch das half aber alles nichts, also machte die Spätschicht-Schichtführerin etwas, was für unseren Store absolut typisch ist: Sie verteilte ein paar leere Bierflaschen um ihre am Boden liegende Kollegin und machte anschliessend mit dem Handy kompromittierende Bilder von der wehrlosen Frau.

Nach diesen und diversen weiteren therapeutischen Massnahmen, welche alle ähnlich erfolgreich waren (nämlich gar nicht…), redeten wir weiter auf meine Schichtführerin ein, es vielleicht doch mal mit einem Arzt zu versuchen. Doch noch immer wollte sie nicht, weswegen ich als Kompromisslösung meine Schwester anrief. Diese ist Ärztin in Herford und hatte zwischen zwei Blinddärmen kurz Zeit, sich meiner Schichtführerin anzunehmen. Nach erfolgter telefonischer Ferndiagnose stimmte sie dann schliesslich doch einem Arztbesuch zu.

Nach kurzer Irrfahrt zwischen zwei Arztpraxen, welche sich nicht einig waren ob das nun als Arbeitsunfall zu werten sei oder nicht und ob sie sowas überhaupt behandeln dürfen, waren wir dann schliesslich an der richtigen Adresse. Der Arzt renkte alles wieder ein, gab meiner Schichtführerin noch ein Rezept mit und schrieb sie entgegen ihrem ausdrücklichen Protest für heute und morgen krank. Argh! Also schnell den Dienstplan über den Haufen geschmissen, die Bierflaschen-Fotohandy-Schichtführerin die Frühschicht machen lassen, zwei Geringverdiener als Ersatz für die ausgefallene Schichtführerin anrufen und die Spätschicht dann von einer sehr guten und zuverlässigen Teilzeitkraft leiten lassen. Ging überraschend problemlos, und somit bleibt mir jetzt nur noch zu hoffen, dass meine Schichtführerin übermorgen hier wieder putzmunter aufschlägt.