Archiv für Oktober, 2007

Am anderen Ende der Welt

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Mit der Zeit bleibt es nicht aus, dass man sich an den einen oder anderen Gast erinnert. Sei es, weil jemand immer eine etwas ausgefallene Salatkombination möchte, sei es weil jemand fast täglich bei uns isst, aber dennoch immer das gleiche Sandwich bestellt, oder aber auch weil jemand immer ganz besonders freundlich ist.

An einen Gast der letzten Kategorie musste ich kürzlich erst denken. Es handelt sich um eine junge Dame, vielleicht 18 Jahre alt. Sie kam relativ häufig und war immer gut gelaunt. Stets hatte sie ein Lächeln auf den Lippen, und sie zu bedienen hat immer Spass gemacht. Seit einiger Zeit jedoch kam sie plötzlich gar nicht mehr, und letztens habe ich wie gesagt erst an sie gedacht und mich gefragt, warum sie wohl nicht mehr kommt.

Eines Tages gab es dann die Antwort, denn überraschend tauchte ihr Gesicht in meinem Fernseher auf. Zu sehen war sie in einer dieser zur Zeit so beliebten “Wir wandern aus”-Dokusoaps, denn sie geht für ein Jahr nach Neuseeland und lässt sich dabei von der Kamera begleiten.

Obwohl ich sie ja eigentlich überhaupt nicht kenne, habe ich mich dennoch sehr für sie gefreut. Neuseeland ist nach Aussage eines Freundes von mir, welcher so oft dort unten ist wie möglich, das beste Land der Welt. Mangels eigener Erfahrung kann ich das zwar nicht bestätigen, aber ganz unwahrscheinlich ist es wohl nicht.

Also, liebe Stella L., viel Spass auf der anderen Seite der Welt. Und falls du (oder einer deiner Freunde) das hier liest, so würde ich mich sehr freuen, wenn du nach deiner Rückkehr wieder bei uns reinschauen würdest. Das erste Menü geht dann auch auf Kosten des Hauses. ;)

Von Telefonen und Verkäufern

Freitag, 05. Oktober 2007

Wir sind ein gastronomischer Betrieb, und als solcher haben wir naturgemäss gewisse Stosszeiten. So ist z.B. die Zeit zwischen 12 und 15 Uhr das, was wir intern als “Mittagsgeschäft” bezeichnen. In diesen drei Stunden machen wir etwa 60% unseres gesamten Tagesumsatzes.

Das heisst natürlich im Umkehrschluss, dass alle anwesenden Mitarbeiter während dieser Zeit mehr oder weniger rotieren, um die anfallende Arbeit zu erledigen. Wenn jetzt jemand während dieser Zeit im Store anruft, so kann es schonmal vorkommen, dass niemand das Telefon beantworten kann. Andere Stores, die Verwaltungsmitarbeiter von SUBWAY und Firmen mit Gastronomiebezug kennen dieses branchenweite Phänomen und rufen daher in dieser Zeit üblicherweise gar nicht erst an.

Eine andere Gruppe von Anrufern sieht das jedoch weitaus weniger eng und ruft sogar bevorzugt in diesem Zeitraum an. Die Sprache ist von Telefonverkäufern, also Menschen, welche einem per Telefon etwas verkaufen wollen. Ich weiss nicht, warum sie ausgerechnet während des Mittagsgeschäftes anrufen. Ist es blosse Ignoranz, ist es ein (für mich unverständliches) Kalkül, ist es lediglich ein seltsamer Zufall? Ich weiss es wirklich nicht.

Was ich aber weiss: Diese Anrufe nerven, und das nicht zu knapp. Leider sind diese sogenannten Cold Calls im Geschäftsbereich unter bestimmten Bedingungen zulässig, während die Kaltacquise im Privatbereich mittlerweile verboten ist.

Vergangene Woche versuchte eine Firma, mir ein Laminiergerät zu verkaufen. Dazu riefen sie penetrant oft an, weil ich jedesmal entweder nicht im Store war oder aber keine Zeit hatte, den Anruf entgegenzunehmen. Vor einigen Tagen hatten sie dann Glück und erwischten mich. Natürlich während des Mittagsgeschäftes, als die Hütte sowieso schon brannte. Nachdem ich über fünf Minuten lang mit der guten Dame gesprochen habe und sie einfach kein “Nein” gelten liess, habe ich irgendwann einfach völlig entnervt aufgelegt.

Zwei Tage später rief sie erneut an, und ihr erster Satz war: “Hören Sie mal, warum haben Sie denn einfach aufgelegt?” Ich dachte ich höre nicht richtig und habe der guten Frau erstmal erklärt, dass ich mich ihr gegenüber wohl kaum rechtfertigen müsse und dass sie mir gerne mitteilen könne, welchen Teil von “Nein” sie denn nicht verstanden hätte. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn nun an einem Laminiergerät interessiert sei oder nicht.

Nach einer kurzen Sekunde, in welcher ich mich fragte ob ich tatsächlich das gehört habe, was ich glaubte gehört zu haben, legte ich dann zum zweiten Mal in dieser Woche einfach auf.

Heute rief dann der nächste Verkäufer an. Er hätte supertolle Angebote von der Telekom, alles wäre ja so viel billiger als das was wir bisher so hätten, und überhaupt: Alles klasse, und wenn wir nicht sofort zuschlagen, ist uns nicht mehr zu helfen.

Ich sagte ihm dann einfach, dass wir grade im Mittagsgeschäft stecken und dass er uns seine Angebote gerne schriftlich zukommen lassen kann, aber bitte nicht per Telefon. Überraschend schnell gab er auf und sagte mir zu, die Angebote in die Post zu geben. Ich war selbst verblüfft, wie einfach das ging.

Werde ich in Zukunft wohl immer so machen.