Archiv für März, 2008

[Krümelmonster]Keeeksäää![/Krümelmonster]

Donnerstag, 06. März 2008

Wer unsere Kekse schonmal probiert hat, wird bestätigen dass sie süchtig machen verdammt lecker sind. Da das natürlich kein Geheimnis ist, werden die Dinger auch in rauhen Mengen gekauft. An dieser Stelle könnte ich diesen Eintrag jetzt beenden und mich in meiner Funktion als Kaufmann freuen, denn Umsatz ist nur selten unerwünscht.

Das Problem ist nur, dass wir eigentlich noch viel mehr von unseren Keksen verkaufen könnten, wenn wir denn nur mit dem backen nachkommen würden. Dazu muss man wissen, dass wir unsere Kekse auf einer speziellen Matte backen, welche man natürlich nicht profan in einem Haushaltswarenladen kaufen kann. Nein, das wäre viel zu einfach, das kann unsere hauseigenen R&D-Abteilung (Research & Development, inoffizielles Motto lautet “we make simple things complicated” - aber das haben Sie nicht von mir gehört!) nicht zulassen. Unsere Matte ist also ein High-Tech-Produkt, auf welches wahrscheinlich selbst die NASA stolz wäre, oder aber zumindest wäre sie ohne die bemannte Raumfahrt garnicht möglich, da teflonbeschichtet.

Besagte Matte ist also zwingend notwendig, um unsere weltberühmten Kekse zu backen. Von diesen Matten haben wir insgesamt sechs Stück, was genau eine volle Ofenladung bedeutet. Diese sechs Matten waren damals zu unserer Eröffnung Bestandteil all derer Sachen, welche ich bestellen musste und von denen ich keinen blassen Schimmer hatte, wieviel von diesem oder jenem notwendig sein könnte. Ich bekam damals eine Vorschlagsliste von unserem sogenannten Development Agent und habe die einfach stumpf unterschrieben. Mit der Zeit lernt man dann, dass die eine oder andere Sache völlig überflüssig war, während man von etwas anderem viel zu wenig hat.

Der geneigte Leser ahnt es sicherlich schon, letzteres trifft auf unsere Cookiematten zu. Sechs Stück sind nicht wirklich viel, denn nach jedem Gebrauch müssen sie erstmal für mindestens eine halbe Stunde in der sogenannten Breadstorage verschwinden, damit die Kekse abkühlen können. Bevor die Kekse nicht abgekühlt sind, bekommt man sie auch nicht von den Matten runter, also kann man da schlecht schummeln. Nach jeder Benutzung müssen die Matten dann natürlich noch gereinigt werden, was insbesondere während des Mittagsgeschäfts natürlich auch gerne mal auf später verschoben wird, weil keiner Zeit hat. Ohne gereinigte Matten aber keine neuen Kekse. Konsequenz ist dann, dass irgendwann die Cookies ausgehen. Murphy´s Gesetz folgend passiert das in der Regel immer dann, wenn der nächste Gast grade 24 Kekse kaufen wollte.

Nun denkt sich der smarte Systemgastronom (das bin ich, falls jemand fragt) natürlich “kein Problem, bestellen wir halt ein paar weitere Matten nach”. Tja, und damit fing das Drama dann auch an. Wo bekomme ich diese Matten her? Direkt in den USA angerufen und nachgefragt. Antwort: Natürlich können wir Ihnen einen Satz Matten schicken, sechs Stück kosten 80 Dollar und $Gegenwert_eines_Kleinwagens an Versandkosten.

Okay, fix umdisponieren. Gute 100 Kilometer von hier sollte ein anderer Store aufmachen, den Franchisenehmer kannte ich. Also schnell angerufen und gefragt, ob er schon seine sogenannte Smallwares-Bestellung aufgegeben habe. Er verneint, ich jubele und frage, ob er mir ein paar Artikel mitbestellen kann, um mich so äusserst geschickt vor den astronomischen Versandkosten zu drücken. Kein Problem, er kann mir alles gewünschte mitbestellen. Ich faxe ihm also meine Liste zu, und ein paar Wochen später ruft er an um Bescheid zu sagen, dass die Sache angekommen seien. Frohgemut schwinge ich mich ins Auto, fahre zu ihm hin und nehme alle meine bestellten Sachen in Empfang. Alle? Nein. Ein Artikel fehlte: Richtig, die Keksmatten. Nicht mitgeliefert, warum auch immer. War ja mal wieder klar. Das Leben gibt mir Zitronen, und ich habe keinen Tequila dabei.

Also Plan B (oder bereits C?). Die europäische Werksvertretung unseres Ausrüsters angerufen, welche sich in Prag befindert. Warum ausgerechnet Prag wissen sie wohl selbst nicht so genau. Vielleicht weil sie dort so einen lustigen Akzent haben, wenn sie englisch sprechen müssen. Na egal, irgendwie habe ich denen dann verständlich gemacht was ich wollte, woraufhin sie mich an ihren Webshop verwiesen. Also bei selbigem angemeldet, etwa eine Woche gewartet bis ich als SUBWAY-Franchisenehmer legitimiert war (*nerv*) und dann fröhlich bestellt. Sie hatten noch eine Reihe weiterer netter Sachen in ihrem Shop, und begeistert klickend füllte ich meinen Warenkorb. Versandkosten waren im Shop zwar nicht angegeben, aber was kann schon ein UPS-Paket von Prag an die Mittelwesermetropole Nienburg kosten?

Um´s kurz zu machen: Ich hab´s erst etwa sechs Wochen später erfahren, denn solange dauerte es, bis mir die Prager das Paket endlich geschickt haben. Was ich nicht wusste: Nach Eingang einer Bestellung bei ihnen bestellen sie wiederum die Sachen vom Mutterhaus in den USA, und wenn das Zeug dann bei ihnen angekommen ist, packen sie es in ihre Kartons um und schicken es dann wieder weg. Die Frachtkosten USA-Prag werden dann natürlich auch gleich an den Endkunden weitergereicht. Mit anderen Worten: Hätte ich gleich direkt in den USA bestellt, wäre es erstens schneller und zweitens billiger gewesen. Achso, und ich hätte vielleicht sogar die bestellten Cookiematten bekommen. Die wurden nämlich bei der Kommissionierung meiner Ware vergessen und anschliessend gutgeschrieben.

Jetzt könnte man meinen, das Leben hasst mich. Zumindest habe ich diesen Eindruck gewonnen.

Wenn… ja, wenn da nicht jener kleine Einmann-Betrieb im Kölner Raum wäre, welcher sich darauf spezialisiert hat, die stetig wachsende Zahl von SUBWAY-Stores in Deutschland mit allerlei Kleinkram und Equipment zu versorgen. Der gute Mann hat eine geniale Marktlücke entdeckt und bietet viele Dinge an, welche man sonst nur schwer bekommt, die einem das Leben als SUBWAY-Franchisenehmer aber wesentlich leichter machen. Unter anderem kann man bei ihm Tabletts kaufen, ohne immer gleich eine halbe LKW-Ladung abnehmen zu müssen. Sehr schön, wenn man mal wieder Tabletts ersetzen will, welche auf mysteriöse Weise verschwunden sind.

Jedenfalls wollte ich letzte Woche aus genau diesem Grunde bei ihm bestellen und rufe also seinen Webshop auf. Und was erblicken meine ungläubigen Augen? Gleich auf der Startseite steht in fetten Lettern “Neu im Sortiment: Cookiematten”. WHOA! Mit zitternden Fingern weitergeklickt, und tatsächlich: Sofort lieferbar, ab Lager Köln, sechs Stück knapp 50 Euro plus Mehrwertsteuer. Zu schön, um wahr zu sein. Sofort bestellt, bevor die Website es sich noch anders überlegen konnte.

Heute war es dann soweit: Sechs niegelnagelneue Keksmatten durfte ich aus dem sorgfältig verpackten Karton fischen. Sie sehen so neu aus, so… frisch! Ich konnte es immer noch nicht glauben. Endlich war meine Odyssee vorbei! Liebevoll legte ich die Matten zu den anderen. Heute durften sie sich noch ausruhen. Ab morgen aber werden dann doppelte Mengen gebacken. Auf dass die Frage “oh, habt ihr keine $Lieblingssorte mehr?” ab morgen endlich der Vergangenheit angehört!

Da Murphy mich aber auch in der Vergangenheit nicht enttäuscht hat, wird wahrscheinlich ausgerechnet morgen unser Keksverkauf einen historischen Tiefstand erleben. :p