Wenn man sich für ein Franchisesystem entscheidet, so hat diese Entscheidung gewisse Vorteile, aber natürlich auch ein paar Nachteile. Einer der ganz wesentlichen Nachteile ist es z.B., dass man gewisse Dinge vorgegeben bekommt und nicht frei über sie entscheiden darf. Das weiß man als Franchisenehmer aber natürlich auch vorher und richtet sich entsprechend darauf ein.
Bei SUBWAY ist es zum Beispiel so, dass man nicht wirklich frei in der Gestaltung seiner Öffnungszeiten ist. Man muß an jedem Tag in der Woche geöffnet haben, darf morgens nicht später als zehn Uhr eröffnen und muss mindestens 98 Stunden in der Woche auf haben. Wie man seine Öffnungszeiten dann im Detail gestaltet, ist wiederum jedem Franchisenehmer freigestellt, solange er sich innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens bewegt. Das ist einerseits gut, denn wir sind schließlich eine große Kette und sollten von daher auch ein einigermassen einheitliches Bild abgeben, andererseits bleibt da natürlich nur wenig Platz für örtliche Gegebenheiten. Klar, ein Laden innerhalb eines Einkaufszentrums richtet sich nach dessen Öffnungszeiten, das ist kein Problem. Läden in Fußgängerzonen, so wie der meinige, haben da allerdings schon ganz andere Argumentationsschwierigkeiten, denn Fußgängerzonen sind in den USA nunmal fast gänzlich unbekannt. Das führt dazu, dass wir auch dann aufmachen müssten, wenn in der Fußgängerzone schon längst die Bürgersteige hochgeklappt sind und kein einziger Fußgänger mehr unterwegs ist. Autos kommen logischerweise auch nicht vorbei, aber sowas wird in den USA wie gesagt nicht wirklich verstanden.
Wir hatten mit zwei Vorgaben immer Probleme: Zum ersten mit der Mindestanzahl von 98 geöffneten Stunden pro Woche, und zum anderen mit der Tatsache, dass man an jedem Tag in der Woche geöffnet haben muss. Egal wie ich die 98 Stunden verteilt habe, es blieben abends immer Zeiten übrig, in denen mehrere Stunden lang kein einziger Mensch am Laden vorbeilief (von reinkommen ganz zu schweigen). Sonntags das gleiche Trauerspiel: Die Stadt war leer, alle Geschäfte waren zu, wir mussten trotzdem aufmachen. Betriebswirtschaftlich eine einzige Katastrophe, denn die Mitarbeiter wollen ja trotzdem ihr Geld haben, und der Strom für Öfen und Kühlung ist auch nicht billiger, nur weil kein Gast im Laden steht.
Nach viel Leiden und Wehklagen haben wir dann schliesslich von unserem Development Agent (so eine Art Gebietsleiter) eine einjährige Ausnahmegenehmigung bekommen, während der wir Sonntags nicht mehr öffnen mussten. Schon bald darauf war festzustellen, dass zwar der Wochenumsatz sank (logisch), der Gewinn aber interessanterweise stieg. Dennoch war mir aber natürlich jederzeit klar, dass das nur eine Ausnahmesituation war und die Genehmigung auch wieder ausläuft. Dieses Frühjahr war es dann soweit, und mit Beginn der Sommerzeit öffneten wir auch wieder Sonntags; auch um uns wieder ein bißchen mehr an die geforderten 98 Stunden pro Woche anzunähern. Begeistert bin ich davon zwar nach wie vor nicht, aber wie gesagt: Ich kannte die Spielregeln vorher und kann mich deshalb jetzt auch nicht beschweren.
Stattdessen gilt es jetzt, konstruktiv zu denken und zu überlegen, wie ich den Sonntag möglichst wirkungsvoll pushen könnte. Momentan machen wir Sonntags nichtmal genug Umsatz um unsere Kosten zu decken, von Gewinn ganz zu schweigen. Es muss also irgendeine Aktion her, welche dafür sorgt, dass der Sonntag besser läuft. Allerdings mache ich mir auch keinerlei Illusionen darüber, dass die Leute extra nur für uns am Sonntag in die Stadt fahren, dort einen Parkplatz suchen, dann zu Fuß zu uns laufen, essen und das ganze wieder retour. Nur wegen uns macht das einfach niemand, deshalb muss ich die Leute greifen, welche sowieso in der Stadt sind und versuchen, ihnen soviel wie möglich zu verkaufen. Zumindest aber mehr, als sie sonst kaufen würden.
Konkret habe ich dazu jetzt zwei Ideen entwickelt, welche mir eigentlich beide gleich gut gefallen: Zum einen das Angebot, dass es jeden Sonntag jedes grosse Sub, egal welches und egal was drauf ist, für 5 Euro gibt. Einen glatten Fünfer, dafür gibt es ´nen Dreißiger. Die zweite Idee ist, ein “All you can eat” anzubieten. Für einmalig 9,90 Euro soviele Subs essen, wie reinpassen.
Der Charme an der ersten Idee ist, dass viele vielleicht unterbewusst zum Upgrade greifen werden, d.h. obwohl sie eigentlich nur ein kleines Sub essen wollten, nehmen sie aufgrund des nur sehr geringen Aufpreises gleich ein grosses Sub. Der “bang for the buck”, wie der Amerikaner sagt, ist hier einfach wesentlich besser. Ausserdem verführt der gute und runde Preis dazu, noch ein paar Subs für seine Kumpels oder Familie mitzunehmen.
Die zweite Idee hingegen ist sicherlich von der Werbeaussage nochmal eine ganze Ecke besser, denn soviel essen wie man will für einen relativ niedrigen Betrag - sowas zieht immer. In der Mischkalkulation könnte das aber immer noch besser für mich ausgehen als vorher, denn nicht jeder wird fünf Subs verdrücken, aber trotzdem mehr Geld hierlassen als ohne Aktion. Nachteil an der Geschichte ist aber wiederum, dass sowas nicht mit Ausser-Haus-Gästen machbar ist. Ausserdem muss man sich irgendwas einfallen lassen, um kontrollieren zu können wer berechtigt ist was zu bestellen und wer nicht. Ansonsten kommen zehn Leute rein, von denen einer bezahlt und neun Leute mit durchfüttert.
Während ich also hier so sitze und die Pros und die Contras miteinander aufwiege und versuche zu einer Entscheidung zu kommen, fiel mir ein dass ich vielleicht doch einfach auch mal euch da draussen fragen könnte. Also: Welche Variante würdet ihr als Gäste bevorzugen, die erste oder die zweite? Würde euch eine der beiden Varianten eventuell sogar dazu bewegen, extra deswegen zu uns zu fahren? Oder habt ihr vielleicht noch ganz andere Ideen, was man mit dem Sonntag machen könnte?
Ich bin gespannt… 