Baguettes

Wenn ich eins nicht mag, dann ist es das Wort “Baguette”. Jedenfalls dann, wenn jemand eines unserer Sandwiches so bezeichnet. Klar, der Gast darf alles sagen, denn der kennt in der Regel keine länglichen Sandwiches. Für den (deutschen) Gast besteht ein Sandwich halt aus zwei Toastbrotecken, wird an Tankstellen verkauft und ist mindestens drei Tage alt. Längliches Brot kennt man nur von unserem südwestlichen Nachbarn, also wird ein Submarine-Sandwich, welches im englischen Sprachraum völlig normal ist, hier als Baguette bezeichnet. Dass ein Baguette im Gegensatz zu unseren Sandwiches jedoch eher hart ist und aus einer anderen Teigmischung gewonnen wird, tut der Sache dabei keinen Abbruch.Dementsprechend wird von unseren Gästen sehr häufig schonmal ein Baguette bestellt, obwohl wir überhaupt keins auf der Karte haben. Dann wiederum werden auch häufig Schnittchen, Brötchen, Kniften oder sogar schon Butterbrote bestellt, aber dennoch: Der Gast wird da selbstverständlich nicht besserwisserisch drauf hingewiesen oder gar verbessert. Vielmehr gibt es halt eine kleine Erklärung in Verbindung mit einem Augenzwinkern, oder aber man lässt ganz subtil den Begriff “Sandwich” mindestens fünfmal bis zur Kasse fallen. Frei nach dem Motto “steter Tropfen höhlt den Stein”.Dieses Thema mag auf den einen oder anderen geneigten Leser ein wenig kleinkariert wirken, hat aber tatsächlich einen (für uns) nicht ganz so banalen Hintergrund. Immerhin versuchen wir, uns in Deutschland als Marke zu etablieren. Das schaffen wir nur, wenn wir unsere Alleinstellungsmerkmale deutlich herausarbeiten. Eines unserer ganz wesentlichen Alleinstellungsmerkmale sind unsere leckeren Subs. Baguettes kann man in jeder Bäckerei kaufen, aber Subs gibt es nur bei SUBWAY. Hätte es McDonald´s am Anfang durchgehen lassen, ihrem Produkt einen anderen Namen zu geben, so würde McDonald´s wohl noch heute “Frikadellenbrötchen” verkaufen.Warum ich das alles erzähle? Weil ich kürzlich in Bremen war und dort zwecks Nahrungsaufnahme ein SUBWAY-Restaurant besuchte und im Zuge dessen fast vom Glauben abfiel, als mich der Sandwichartist fragte, welches Baguette ich denn gerne hätte, ob ich mein Baguette getoastet haben möchte, welchen Käse ich auf meinem Baguette wünschte und was denn sonst noch so alles auf mein Baguette raufdürfte.Wenn man sowas erlebt, dann möchte man eigentlich nur noch leise in sich hineinweinen…

5 Kommentare zu “Baguettes”

  1. Mathias
    Dezember 13th, 2007 14:52
    1

    Nun ja, laut Wikipedia ist ein submarine sandwich “any of various sandwiches made on a long roll (usually up to 12″ long by 3 ” wide) or baguette”. Ist also nicht wirklich verkehrt. Die von Subway verwendeten Teigrohlinge haben wohl keine umgangssprachliche Bezeichnung außer “Brot”.
    Ich finde die konsequenten englischen Bezeichnungen bei Subway generell auch eher abschreckend als “markenfördernd”. Subway hat in dem Sinn keine griffigen Markennamen wie McDonalds mit z.B. dem Big Mac oder dem Mcsoundso. Das Beispiel hinkt auch in soweit, als McDonalds nicht “burger” als Alleinstellungsmerkmal benutzt, sonst hätte wohl Burger King ein Problem. Klar, die Marken da sind in Englisch, aber Pommes Frites werden z.B. nicht als french fries verkauft, der Salat heisst “Garten Salat” anstatt Garden Salad etc. Turkey Breast & Ham sagt in DE kein Mensch, das ist Truthahnbrust mit Schinken. Und wahrscheinlich werden sich wenige Leute spontan etwas unter einem “Veggie Delite” vorstellen können (delite findet sich noch nicht mal bei LEO, da es eine umgangsprachliche Schreibweise ist).
    Mir ist klar, dass das so vorgegeben wird, aber es macht auf mich eher einen bemühten Eindruck (und zumindest ich bin immer unsicher, ob ich jetzt wirklich komplett auf Englisch bestellen soll). Ebenso wie die Leute hinter der Theke als Subway Sandwich Artists® zu bezeichnen. Klar, CI und so, aber das sind Leute, die Brot belegen! Ist so ähnlich wie Hausmeister als facility manager zu bezeichnen. Trotzdem sollte das zumindest Mitarbeitern natürlich nicht passieren.

  2. Matthias
    Dezember 14th, 2007 08:57
    2

    Da muss ich meinem Namensvetter, dem leider ein T abhanden gekommen ist, zustimmen.

    Es ist doch auch schon lange bekannt, dass englische Slogans bspw. fast immer missverstanden werden. Irgendeine Autofirma hat geworben mit “feel the difference”, was einige als “fühl das Differential” interpretiert haben. Oder “come in and find out”: “komm rein und finde wieder raus”. Ich würde mich ja nicht als totaler Englischversager bezeichnen, aber unter dem Slogan “Amazon - and you’re done” verstehe ich nichts anderes als “Amazon - und du bist getan”. Und genau wegen sowas finde ich die Englischtümelei furchtbar. Bei StudiVZ habe ich eine Gruppe gegründet die da heißt “Gezwungen englische Stellenangebote sind einfach nur bescheuert”, deren Beschreibung ich einfach mal hier kopiere:

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    Wer kennt das nicht? Da sucht eine Firma (in diesem Fall das Studi-VZ) eine/n “Head of User Experience and Design”. Man wäre ja interessiert, hat aber keine Ahnung was das bedeutet.
    Muss die Klofrau wirklich ein “Zero-zero Customer Expulsion Manager” sein? Reicht es nicht zu sagen “ich bin Kassierer”, fühlt man sich wichtiger, wenn man ein “Junior Supervisor of Cashflow Management” ist?

    Die Wirtschaft klagt, dass Tausende Stellen unbesetzt bleiben und Fachkräfte fehlen. Vielleicht sollte man dann die Stellenanzeigen so formulieren, dass es jeder versteht. Sonst sagt der gelernte Konditor: “Hurra, die bei Kamps suchen jemanden! Oh, aber einen Pastries Creating Confectionary Artist, muss wohl was Komisches sein…”.

    Und dann, was dann? Dann haben wir lauter Enduring Financial Allowance Outlets (Langzeitarbeitslose).

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    Genauso wäre es auch auf englische Produktbezeichnungen umzumünzen. Es geht einfach an den Bedürfnissen und Wünschen der meisten Kunden vorbei und sie tun sich das höchstens deswegen an, weil es schmeckt.

  3. Mathias
    Dezember 14th, 2007 10:36
    3

    Um das jetzt hier nicht so negativ erscheinen zu lassen: Mir ist klar, dass du als Franchise-Nehmer auf solche Sachen keinen Einfluss hast und selbst wenn du wolltest wahrscheinlich nicht anders könntest. Waren einfach nur meine Gedanken zum Thema.

    Das ist ja auch kein Problem spezifisch von Subway, um sich unter einem Frappuccino® Blended Raspberry Black Curant Juice von Starbucks was vorstellen zu können muss man wohl mehrere Jahre in den USA gelebt haben. Ganz schlimm, deren Bezeichnungen für die Produktpalette. Kaffee mit Himbeer- und Cassissaft würde wahrscheinlich auch keiner kaufen, weil sich das gewöhnungsbedürftig anhört ;)
    Logisch, das hat für die Firma positive Effekte (fängt sicher schon bei den Druckkosten für Werbung an), ist aber zumindest für mich als Konsument eher hinderlich, auch oder gerade weil ich recht gut Englisch spreche.

  4. Camou
    März 20th, 2008 04:00
    4

    Das kann ich so bestätigen. Ich fühle mich im Subways unwohl, wenn ich da bestelle. Sag ichs auf englisch, werd ich auf deutsch nachgefragt und wenn ich auf deutsch anfange bekomm ich die englische Übersetzung. Ich habe immer das Gefühl, verbessert zu werden. Und wenn ichs englisch machen will noch dazu die Angst, es komisch auszusprechen.

    Hab ich einen Gutschein auf dem genau draufsteht, was man dafür bekommt, muß ich trotzdem alles wieder sagen, weil ich mir mein Sub trotzdem umbauen kann. Eigentlich ja nett gemeint, aber mich nervts. Ein Chicken “Fajita” werd ich mir so zum Beisiel nie bestellen, aus Angst mich lächerlich zu machen… Obwohl ich das sehr gerne mal hätte!

  5. Joern
    Mai 19th, 2008 16:43
    5

    Bin gerade durch Zufall auf Deinen Blog gestoßen: sehr interessant die Sache, erst recht nachdem ich kürzlich irgendwo (ich glaube es war die Wirtschaftswoche) einen Beitrag über Subway gelesen habe.

    Aber:
    “Subs gibt es nur bei SUBWAY”
    Wie kommst Du darauf?

    Wäre das selbe wie wenn man sagt “Hamburger gibt’s nur bei McDonald’s” (Burger-King, jedes x-beliebige Fastfoodrestaurant…)

    Hier bei uns gibt es schon seit Ewigkeiten eine kleine Kette namens Substop, die oh Wunder, Subs verkauft. (Einen Subway gibt es immerhin seit kurzer Zeit (endlich) auch)