Ich sehe seltsame Menschen.
Wenn man jeden Tag Kontakt mit sovielen Menschen hat, dann bleibt es nicht aus, dass der eine oder andere davon schonmal ein wenig seltsam erinnerungswürdig ist. So begab sich vor etwa zwei Jahren zum Beispiel folgende Geschichte:
Es ist kurz nach 23 Uhr, wir hatten bereits seit über einer Stunde geschlossen und sind kurz davor, nach Hause zu gehen. Ich habe gerade die Kasse abgerechnet, zwei Mitarbeiterinnen wischen zum letzten Mal die Küche durch. Plötzlich klingelt das Telefon. Meine Mitarbeiterin guckt mich verwundert an, fragt “sind wir noch da?” Ich: “Ja klar, geh mal ran”. Sie nimmt also ab, und nach einer Weile höre ich sie nur sagen “aber natürlich können Sie sich beschweren. Ich reiche Sie mal direkt an meinen Chef weiter, einen Moment”. Ich gucke erstaunt, sie reicht mir das Telefon rüber, deckt mit der Hand die Sprechmuschel ab und meint zu mir “der ist total durchgeknallt, viel Spaß”. Es entwickelt sich folgendes Gespräch:
Ich: Schönen guten Abend, mein Name….
Anrufer (in lautem Tonfall): WAS FÄLLT IHNEN EIGENTLICH EIN?!?
Ich: Äh, darf ich fragen worum es geht?
Anrufer: Erklären Sie mir gefälligst mal, warum Sie jetzt schon zu haben!
Ich: Tut mir leid, aber wir schließen an sieben Tagen in der Woche immer um 22 Uhr, das war schon von Anfang an so und ist wie gesagt an jedem Tag immer gleich, das kann eigentlich nicht überraschend kommen.
Anrufer: Sie haben gefälligst bis 23 Uhr offen zu haben! Sie sind ein Franchiseunternehmen und haben sich den Franchiseregeln zu unterwerfen!
Ich: Nein, ich muß nicht bis 23 Uhr offen haben, ich kann schließen wann immer ich das für richtig erachte. Da wir in einer Fußgängerzone liegen, macht alles nach 20 Uhr eigentlich keinen Sinn mehr für uns, daher schließen wir um 22 Uhr.
Anrufer: Sie müssen bis 23 Uhr offen haben! Sie sind ein Franchisesystem!
Ich: Ich verstehe nicht, was das Franchisesystem mit den Öffnungszeiten zu tun haben soll?
Anrufer: Alle Subways müssen bis 23 Uhr aufhaben, das sollten Sie wissen!
Ich: Nein, müssen sie nicht. Wir sind alle unabhängige Unternehmer und können öffnen und schließen, wann immer wir wollen.
Anrufer: Nein, ein Subway-Laden muß bis mindestens 23 Uhr aufhaben, das weiß ich genau!
Ich: Bei allem gebührendem Respekt, aber ich glaube das weiß ich ein wenig besser als Sie.
Anrufer: Das glaube ich kaum. Sie haben bis 23 Uhr aufzuhaben, Punkt. Ich werde mich bei Subway Deutschland über Sie beschweren.
Ich: Das steht Ihnen natürlich frei, auch wenn ich nicht wirklich weiß, wen oder was Sie mit “Subway Deutschland” meinen. Wie gesagt, es ist uns freigestellt, welche Öffnungszeiten wir wählen. Wir müssen lediglich 98 Stunden pro Woche geöffnet haben, wie wir diese Stunden verteilen, ist aber uns überlassen.
Anrufer: Und wie wollen Sie mit 98 Stunden hinkommen, wenn Sie schon um 22 Uhr zumachen?
Ich: Indem wir morgens früher aufmachen…
Anrufer: Soso, und dann wollen Sie also auf 98 Stunden kommen. Sind Sie sich da sicher?
Ich: Ja, da bin ich mir sogar sehr sicher, denn unsere Stunden stehen jede Woche auf unseren Auswertungsbögen.
Anrufer: Das glauben Sie doch selber nicht. Ich werde mich auf jeden Fall über Sie beschweren.
Ich: Wissen Sie was, machen Sie das. Ich für meinen Teil habe seit einer Stunde Feierabend und habe keine wirkliche Lust mehr, Ihnen etwas zu erzählen, was Sie sowieso nicht glauben wollen. Schönen Abend noch.
*aufleg*
Das war schon… seltsam.
Auch gut war der hier: Kommt mittags eine Dame rein und bestellt so umständlich, wie es nur geht (kauft eine Cola, sagt dann beim bezahlen dass sie noch einen Salat dazu will, kann sich dann minutenlang (!) nicht entscheiden ob sie Tomaten raufnehmen will oder nicht, als der Salat fertig ist fällt ihr auf, dass der viel zu gross ist (obwohl sie wie bei uns üblich die ganze Zeit dabeistand und zuschaute, wie ich den Salat baue) und sie nur die Hälfte möchte, beim erneuten bezahlen möchte sie dann die Cola vom ersten Bezahlvorgang gegen ein Wasser umtauschen, weil sie etwas “mit weniger Zucker” möchte, dann fiel ihr ein dass sie vielleicht doch lieber noch ein Sandwich dazu hätte und ob man da noch was am Preis machen könne usw. usf.). Ich habe innerlich gekocht, weil sie für eine Viertelstunde den kompletten Betrieb aufgehalten hat, habe mir aber natürlich nichts anmerken lassen und sie ganz normal bedient.
Als wir dann endlich fertig waren und sie zum endgültig letzen Mal bezahlt hat, meinte sie zu mir: “Sie waren aber superfreundlich!”, woraufhin ich entgegnete “Oh, vielen Dank!”. Daraufhin sie: “Das war nicht als Kompliment gemeint!”
Öhmmm….. okaaaaay…..
Und da aller guten Dinge drei sind: Kommt ein sehr betagter Herr in den Store, schaut lange in die Theke, geht rauf und runter und nimmt alles genau unter die Lupe. Ich hin und frage, ob ich ihm helfen kann. Seine Antwort: “Junger Mann, ich hätte gerne 150 Gramm Schinken und 200 Gramm Pute. Ach, und packen Sie mir noch etwas von dem Käse dort ein”.
Meine Mitarbeiter können mich allerdings manchmal auch ganz gut an den Rand der Verzweiflung bringen: Ein Gast zeigt auf das Teriyaki und fragt “Ist das scharf?”. Daraufhin meine Mitarbeiterin: “Nein, Hühnchen!”
Wer´s nicht verstanden hat: Einfach mal laut nachsprechen…
Juni 5th, 2008 12:10
Det alte Mann ist herrlich =D Ja so Franchiseunternehmen kann für die ältere Generation doch etwas verwirrend sein ^^
Juni 5th, 2008 17:21
ich muss echt sagen, dass ich leute wie dich bewundere, die in solchen situationen noch ruhig und freundlich reagieren.
ich selbst (und viele andere) hätten bestimmt nicht so gelassen reagiert. respekt.
Juni 5th, 2008 21:06
Schöne Gschichtle!
Juni 6th, 2008 21:12
Schrei weg! Unglaublich was es für Leute gibt.
Ich find’s auch immer wieder lustig, wenn ich als Stammgast neue Kunden beobachten kann, die anscheinend zum ersten mal in einen Subway Store kommen und total überfordert sind.
Juli 2nd, 2008 21:36
Verrückt was für verstrahlte Typen so durch die Weltgeschichte wandeln… oh Mann
Juli 10th, 2008 16:25
Du hattest mal ein Schild mit deinen Öffnungszeiten irgendwo in deinem Blog
Jedenfalls war daraus auch nicht zu erkennen, wie du 98 (!) Stunden pro Woche hinbekommst.Wie soll denn das überhaupt gehen?
Das wären bei einer 7-Tage-Woche ja 14 Stunden pro Tag; macht ihr denn das?
August 1st, 2008 14:07
Oh man XD Da ich selber aus Nienburg komme (hab dort 21 Jahre meines Lebens gewohnt und bin erst seit 4 Jahren dort weg) muss ich mir zu solchen Stories immer Bekannte vorstellen O.o
August 3rd, 2008 07:48
@ Sabine:
Die Geschichte hat sich bereits vor längerer Zeit zugetragen, damals hatten wir noch ultralang auf. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass das in einer Fussgängerzone nicht unbedingt Sinn macht.