Grosse-Scheine-Zeit

Sonntag, 04. November 2007 09:41

Als ich vorhin die Abrechnung vom Vortag machte, fiel es mir mal wieder auf: Die Anzahl der 5-Euro-Scheine geht gegen Null, die Anzahl der 50er und gar 100er dagegen steil nach oben. Ein Blick auf den Kalender, und schon war das Rätsel gelöst: Ah ja, ist mal wieder Monatsanfang.

Dieses Phänomen kehrt allmonatlich wieder. Kaum gibt es Gehalt/Lohn/Rente/Arbeitslosengeld, schon wird es in den grösstmöglichen Scheinen in die Läden getragen. In den folgenden Tagen werden die Scheine dann immer kleiner, bis es zur Monatsmitte, wenn die anderen Firmen dann die Gehälter auszahlen, wieder grösser wird. Danach schrumpfen die Geldschein wieder, und am Ende des Monats wird dann schon mit abgezählten Münzen bezahlt.

Diese Beobachtung teilen alle mir bekannten Geschäftsleute, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe. Selbst meine Bänkerin meinte, dass am Monatsanfang immer besonders viel Wechselgeld bestellt wird, und die Nachfrage dann bis zum Monatsende kontinuierlich weiter einknickt.

Das kuriose an der ganzen Geschichte ist auch, dass die Leute am Monatsanfang selbst dann mit den grösstmöglichen Scheinen zahlen, wenn sie die geforderte Summe auch als Kleingeld parat hätten. Fragt man nach, weil man solche grosse Scheine grade nicht wechseln kann, so wird in aller Regel die passende Summe problemlos in kleinen Scheinen oder Münzen bezahlt.

Der Mensch als solcher ist schon seltsam…

Am anderen Ende der Welt

Donnerstag, 25. Oktober 2007 18:54

Mit der Zeit bleibt es nicht aus, dass man sich an den einen oder anderen Gast erinnert. Sei es, weil jemand immer eine etwas ausgefallene Salatkombination möchte, sei es weil jemand fast täglich bei uns isst, aber dennoch immer das gleiche Sandwich bestellt, oder aber auch weil jemand immer ganz besonders freundlich ist.

An einen Gast der letzten Kategorie musste ich kürzlich erst denken. Es handelt sich um eine junge Dame, vielleicht 18 Jahre alt. Sie kam relativ häufig und war immer gut gelaunt. Stets hatte sie ein Lächeln auf den Lippen, und sie zu bedienen hat immer Spass gemacht. Seit einiger Zeit jedoch kam sie plötzlich gar nicht mehr, und letztens habe ich wie gesagt erst an sie gedacht und mich gefragt, warum sie wohl nicht mehr kommt.

Eines Tages gab es dann die Antwort, denn überraschend tauchte ihr Gesicht in meinem Fernseher auf. Zu sehen war sie in einer dieser zur Zeit so beliebten “Wir wandern aus”-Dokusoaps, denn sie geht für ein Jahr nach Neuseeland und lässt sich dabei von der Kamera begleiten.

Obwohl ich sie ja eigentlich überhaupt nicht kenne, habe ich mich dennoch sehr für sie gefreut. Neuseeland ist nach Aussage eines Freundes von mir, welcher so oft dort unten ist wie möglich, das beste Land der Welt. Mangels eigener Erfahrung kann ich das zwar nicht bestätigen, aber ganz unwahrscheinlich ist es wohl nicht.

Also, liebe Stella L., viel Spass auf der anderen Seite der Welt. Und falls du (oder einer deiner Freunde) das hier liest, so würde ich mich sehr freuen, wenn du nach deiner Rückkehr wieder bei uns reinschauen würdest. Das erste Menü geht dann auch auf Kosten des Hauses. ;)

Von Telefonen und Verkäufern

Freitag, 05. Oktober 2007 23:00

Wir sind ein gastronomischer Betrieb, und als solcher haben wir naturgemäss gewisse Stosszeiten. So ist z.B. die Zeit zwischen 12 und 15 Uhr das, was wir intern als “Mittagsgeschäft” bezeichnen. In diesen drei Stunden machen wir etwa 60% unseres gesamten Tagesumsatzes.

Das heisst natürlich im Umkehrschluss, dass alle anwesenden Mitarbeiter während dieser Zeit mehr oder weniger rotieren, um die anfallende Arbeit zu erledigen. Wenn jetzt jemand während dieser Zeit im Store anruft, so kann es schonmal vorkommen, dass niemand das Telefon beantworten kann. Andere Stores, die Verwaltungsmitarbeiter von SUBWAY und Firmen mit Gastronomiebezug kennen dieses branchenweite Phänomen und rufen daher in dieser Zeit üblicherweise gar nicht erst an.

Eine andere Gruppe von Anrufern sieht das jedoch weitaus weniger eng und ruft sogar bevorzugt in diesem Zeitraum an. Die Sprache ist von Telefonverkäufern, also Menschen, welche einem per Telefon etwas verkaufen wollen. Ich weiss nicht, warum sie ausgerechnet während des Mittagsgeschäftes anrufen. Ist es blosse Ignoranz, ist es ein (für mich unverständliches) Kalkül, ist es lediglich ein seltsamer Zufall? Ich weiss es wirklich nicht.

Was ich aber weiss: Diese Anrufe nerven, und das nicht zu knapp. Leider sind diese sogenannten Cold Calls im Geschäftsbereich unter bestimmten Bedingungen zulässig, während die Kaltacquise im Privatbereich mittlerweile verboten ist.

Vergangene Woche versuchte eine Firma, mir ein Laminiergerät zu verkaufen. Dazu riefen sie penetrant oft an, weil ich jedesmal entweder nicht im Store war oder aber keine Zeit hatte, den Anruf entgegenzunehmen. Vor einigen Tagen hatten sie dann Glück und erwischten mich. Natürlich während des Mittagsgeschäftes, als die Hütte sowieso schon brannte. Nachdem ich über fünf Minuten lang mit der guten Dame gesprochen habe und sie einfach kein “Nein” gelten liess, habe ich irgendwann einfach völlig entnervt aufgelegt.

Zwei Tage später rief sie erneut an, und ihr erster Satz war: “Hören Sie mal, warum haben Sie denn einfach aufgelegt?” Ich dachte ich höre nicht richtig und habe der guten Frau erstmal erklärt, dass ich mich ihr gegenüber wohl kaum rechtfertigen müsse und dass sie mir gerne mitteilen könne, welchen Teil von “Nein” sie denn nicht verstanden hätte. Daraufhin fragte sie mich, ob ich denn nun an einem Laminiergerät interessiert sei oder nicht.

Nach einer kurzen Sekunde, in welcher ich mich fragte ob ich tatsächlich das gehört habe, was ich glaubte gehört zu haben, legte ich dann zum zweiten Mal in dieser Woche einfach auf.

Heute rief dann der nächste Verkäufer an. Er hätte supertolle Angebote von der Telekom, alles wäre ja so viel billiger als das was wir bisher so hätten, und überhaupt: Alles klasse, und wenn wir nicht sofort zuschlagen, ist uns nicht mehr zu helfen.

Ich sagte ihm dann einfach, dass wir grade im Mittagsgeschäft stecken und dass er uns seine Angebote gerne schriftlich zukommen lassen kann, aber bitte nicht per Telefon. Überraschend schnell gab er auf und sagte mir zu, die Angebote in die Post zu geben. Ich war selbst verblüfft, wie einfach das ging.

Werde ich in Zukunft wohl immer so machen.

Gibt´s den auch in gelb?

Samstag, 01. September 2007 00:45

Ich als ComicfigurEben im Netz gefunden: Auf simpsonizeme.com kann man sich in einen Charakter aus den “Simpsons” verwandeln. Man lädt einfach ein Foto von sich hoch, macht noch ein paar generelle Angaben, und nach ein wenig Rechenaufwand darf man sich dann als Comicfigur bestaunen. Auf dem Bild links bin also ich zu bewundern, wie ich bei den Simpsons aussehen würde. Naja, eine gewisse Ähnlichkeit ist sogar vorhanden.

Bei solchen Dingen bricht mal wieder das Kind in mir durch, denn irgendwie finde ich solche Spielereien Webanwendungen faszinierend. Wer mich (bzw. mein Alter Ego) mal in einer typischen Simpsons-Umgebung sehen möchte, der klicke bitte hier. :)

Delphine sind keine Fische

Donnerstag, 23. August 2007 20:31

Eines unserer beliebtesten Sandwiches ist das Tunasub, von Profigästen einfach nur “Nummer 2″ genannt. Auf dieses Sandwich kommt eine Thunfischcreme, welche täglich frisch bei uns im Restaurant hergestellt wird. Eine der Hauptzutaten für diese Creme ist logischerweise Thunfisch.

Nun flatterte eine Email unserer Einkaufsgenossenschaft herein, in welcher wir gewarnt wurden, dass der Thunfisch bei den kommenden paar Lieferungen in einer anderen Dose als gewohnt stecken könnte. Hintergrund ist ein anstehender Lieferengpass bei unserem Hauptlieferanten, und zur Sicherheit wurde vorsorglich schonmal ein anderer Lieferant gesucht, welcher unsere Anforderungen erfüllen kann. Bis der erste Lieferant wieder problemlos liefern kann, wird der zweite Lieferant einspringen. Bis hierhin soweit sicherlich nichts ungewöhnliches.

Sehr wohl ungewöhnlich ist es jedoch, wie schwierig es gewesen ist, einen passenden Ersatzlieferanten zu finden. Thunfisch wird zwar von vielen Firmen geliefert, aber bei SUBWAY wird das dann doch schon ein wenig schwieriger. Wir sind einer der grössten Abnehmer von Thunfisch auf der ganzen Welt, und aufgrund der schieren Menge geht das mit einer gewissen Verantwortung einher. So kauft SUBWAY nur Thunfisch ein, wenn der Verkäufer garantieren und vor allem auch nachweisen kann, dass beim Fang des Thunfischs keine Delphine zu Schaden kommen. Diese beiden Eigenschaften, also die schiere Einkaufsmenge und die Bedingung, dass dafür zu sorgen ist, dass kein einziger Delphin zu Schaden kommt, können von den meisten Lieferanten in dieser Kombination leider nicht erfüllt werden.

Diese Tatsache tut jedoch dem Umstand keinen Abbruch, dass bei uns der Thunfisch intern trotzdem “Flipper” genannt wird. Geht doch nichts über schwarzen Humor…

Beim lesen der Email musste ich dann auch gleich unweigerlich an ein Stück von Jürgen von der Lippe denken:

(Szenario Restaurant, Jürgen von der Lippe isst grade genüsslich Thunfisch, als er von einem anderen Gast angesprochen wird)

“Wie könn’ sie nur Thunfisch essen?”

“Is lecker.”

“Aber denken Sie denn gar nicht an die Delphine, die in den Netzen mitverrecken?”

“Ess ich mit. Sin’ auch lecker.”

“Aber die sind doch so süüüüß…”

“Wieso is n Delphin süßer als n Thunfisch? Nur weils keinen Film über nen Thunfisch gibt…”

“Ja aber die sind doch auch so intelligent…”

“Wenn die so intelligent sind, was machen die dann in den Netzen?”

Isch ´abe Rücken!

Dienstag, 21. August 2007 23:47

Es passierte nach dem Mittagsgeschäft: Meine Schichtführerin wollte einen Müllbeutel entleeren, bückte sich - und kam nicht mehr hoch. Mit schmerzverzerrten Augen starrte sie uns an und erklärte uns, dass sie wohl soeben ein Hexenschuss ereilt hat.

Was macht also der kompetente Chef von heute? Richtig, er schmeisst erstmal Google an und schaut nach, was man bei einem Hexenschuss denn als Erstmassnahme durchführen könnte. Leider war Google diesmal nicht so wirklich mein Freund, und zu einem Besuch bei einem Arzt war meine Schichtführerin nicht zu überreden. Stattdessen legte sie sich lieber auf den Küchenboden und winkelte abwechselnd diverse Beine an. Meine andere Schichtführerin (von der Spätschicht) legte sich daneben und erklärte ihr, wie sie ihren Rücken durchdrücken müsse, um den Schmerz zu lindern. Auch das half aber alles nichts, also machte die Spätschicht-Schichtführerin etwas, was für unseren Store absolut typisch ist: Sie verteilte ein paar leere Bierflaschen um ihre am Boden liegende Kollegin und machte anschliessend mit dem Handy kompromittierende Bilder von der wehrlosen Frau.

Nach diesen und diversen weiteren therapeutischen Massnahmen, welche alle ähnlich erfolgreich waren (nämlich gar nicht…), redeten wir weiter auf meine Schichtführerin ein, es vielleicht doch mal mit einem Arzt zu versuchen. Doch noch immer wollte sie nicht, weswegen ich als Kompromisslösung meine Schwester anrief. Diese ist Ärztin in Herford und hatte zwischen zwei Blinddärmen kurz Zeit, sich meiner Schichtführerin anzunehmen. Nach erfolgter telefonischer Ferndiagnose stimmte sie dann schliesslich doch einem Arztbesuch zu.

Nach kurzer Irrfahrt zwischen zwei Arztpraxen, welche sich nicht einig waren ob das nun als Arbeitsunfall zu werten sei oder nicht und ob sie sowas überhaupt behandeln dürfen, waren wir dann schliesslich an der richtigen Adresse. Der Arzt renkte alles wieder ein, gab meiner Schichtführerin noch ein Rezept mit und schrieb sie entgegen ihrem ausdrücklichen Protest für heute und morgen krank. Argh! Also schnell den Dienstplan über den Haufen geschmissen, die Bierflaschen-Fotohandy-Schichtführerin die Frühschicht machen lassen, zwei Geringverdiener als Ersatz für die ausgefallene Schichtführerin anrufen und die Spätschicht dann von einer sehr guten und zuverlässigen Teilzeitkraft leiten lassen. Ging überraschend problemlos, und somit bleibt mir jetzt nur noch zu hoffen, dass meine Schichtführerin übermorgen hier wieder putzmunter aufschlägt.

Sister K

Mittwoch, 25. Juli 2007 00:12

Grade beim Shopblogger gefunden: Ein Musikprojekt von Oliver Kels namens “Sister K”. Es handelt sich um zwei Schwestern aus den Niederlanden, deren Nachname mit K beginnt (womit sich dann wohl auch der Bandname erklärt haben dürfte). Leider war den beiden kein Plattenvertrag vergönnt, was ich ehrlich gesagt unverständlich finde. Mittlerweile arbeiten sie beide wieder in ihren regulären Berufen.

Das hier eingestellte Video wurde nach nur einer einzigen Probe aufgenommen und ist absolut live! Oliver schreibt dazu: “Ach ja, wenn es jemandem von euch wirklich gut gefällt bin ich für entsprechende “promotionuntertützende Maßnahmen” (Verlinkung in Blogs, eMails an eure Freunde etc.) sehr dankbar! Vielleicht dreht es ja im Netz eine kleine Runde und es entwickelt sich irgendwas von dem ich noch nichts weiss. Das wäre ja was…”

Auch wenn ich privat nicht unbedingt diese Art von Musik höre, so denke ich dennoch, dass die beiden eine Ausnahmestimme haben und es nicht verdient haben, einfach so in der Versenkung zu verschwinden. Ausserdem muss ich zugeben, dass sich das Lied nach dem zweiten oder dritten Hören echt in den Ohren festsetzt. Daher komme ich einfach mal der Bitte Olivers nach und stelle dieses Video hier ins Netz. Enjoy!


Link: sevenload.com

Das Geheimnis der Tabletts

Montag, 23. Juli 2007 20:23

Eines der grössten Mysterien in der Welt ist der Systemgastronomie ist wohl das, was ich immer als “Tablettschwund” bezeichne.

Heute mittag erst fiel es mir wieder auf: Beim bestücken frisch gewaschener Tabletts mit Traylinern (das Blatt Papier, welches immer auf dem Tablett liegt) sah ich, dass unser Vorrat an Tabletts schon wieder mächtig geschrumpft ist. Und das, obwohl ich erst vor kurzem 50 Stück neu gekauft habe, um den vorherigen Schwund auszugleichen.

Interessanterweise findet man die meisten Tabletts immer im Müll. Viele Gäste scheinen sich überhaupt keine Gedanken darüber zu machen, dass die Tabletts auch Geld kosten, und schmeissen einfach alles komplett weg. Inklusive Tablett eben. Die Freude ist dann bei den Schlussdienstmitarbeitern immer hoch, wenn sie mal wieder im Müll fischen dürfen um die Tabletts zu retten. Ich frage mich in solchen Momenten immer, was in den Köpfen dieser Gäste vorgeht. Warum schmeissen sie das Tablett mit in den Müll? Ist es ihnen schlicht egal? Machen sie es mit Absicht? Wissen sie es nicht besser? Denken sie, dass mich die Tabletts nichts kosten? Sehr seltsame Sache…

Kontrolle

Donnerstag, 19. Juli 2007 18:42

Heute früh bekamen wir Besuch der eigentlich eher unangenehmen Sorte. Eine Dame von der Berufsgenossenschaft machte eine Betriebsprüfung. Während ich schon das schlimmste befürchtete, gab es schnell Entwarnung. Alles super bei uns, nur ein Etikett auf einem Kanister mit Spülmaschinenreiniger entspricht nicht ganz den Vorschriften. Gut, damit kann ich leben.Ab nächster Woche gibt es den Spülmaschinenreiniger sowieso von einem anderen Lieferanten. ;)

Ferienanfang

Donnerstag, 19. Juli 2007 00:30

Heute war der letzte Schultag, was in Verbindung mit dem traditionellen “Wallsaufen” (hunderte von Schülern treffen sich am Wallgraben, einem Park nur wenige hundert Meter vom Store, um sich zu besaufen auf die Ferienzeit vorzubereiten) zu zwei Dingen geführt hat: Das Durchschnittsalter der Gäste lag heute deutlich unterhalb des sonst üblichen Levels, die Lautstärke im Store dafür deutlich drüber.

Es ist wirklich unglaublich, wieviel Lärm so eine Kompanie Schüler erzeugen kann. Zwar machen sich solche Tage im Umsatz positiv bemerkbar, aber hinterher ist man dann doch froh, wenn man es hinter sich hat.